Raus aus dem Bauplan, rein ins echte Leben

Unser Bauprojekt findet natürlich nicht nur am Schreibtisch statt. Zwischen Grundrissen, Besprechungen und vielen kleinen Entscheidungen tut es gut, auch einmal rauszukommen, gemeinsam unterwegs zu sein und sich andere Projekte anzuschauen. Genau das haben wir bei unserem letzten Ausflug gemacht.

Begegnungsort im Erlanger Wohnprojekt „Raumteiler“
Foto: Britta Huber

Besuch eines Holzbauunternehmens
Unser erster Stopp führte uns ins Donau-Ries zu einem Holzbauunternehmen. Dort durften wir einen Blick in die Fertigungshallen werfen und erleben, wie aus einzelnen Bauteilen ganze Wände entstehen. Und plötzlich wird aus dem, was sonst auf einem Plan oder in einer Visualisierung steht, etwas ganz Konkretes: komplette Wandelemente werden in der Halle vormontiert, mit vielen Details versehen und später als fertige Bauteile auf die Baustelle gebracht.
Für uns war das ein spannender Perspektivwechsel. Wir konnten einmal ganz praktisch sehen, wie Holzbausysteme funktionieren und was eigentlich alles passiert, bevor ein Wandelement auf der Baustelle ankommt. Viele Fragen, die uns auch bei unserem eigenen Projekt beschäftigen, wurden dadurch greifbarer.

Danach war erst einmal Zeit für eine Pause – und für ein richtig gutes Mittagessen. Besonders schön: Der Salat kam direkt aus dem firmeneigenen Garten. Gemeinsam essen, erzählen und die Eindrücke des Vormittags teilen – auch das gehört für uns zu solchen Ausflügen dazu.

Gemeinschaftliches Wohnen in Erlangen
Nach dem Mittagessen ging es weiter nach Erlangen. Dort wartete ein ganz anderer, aber für uns mindestens genauso spannender Einblick: der Besuch beim Raumteiler, einem bereits realisierten gemeinschaftlichen Wohnprojekt.
Hier konnten wir erleben, wie aus Ideen rund um gemeinschaftliches Wohnen tatsächlich gebaute Realität wird. Was bei uns bisher oft in Gesprächen, Skizzen und Plänen stattfindet, konnten wir dort einmal mit eigenen Augen anschauen.
Besonders interessant war der Blick auf die Bereiche, die Gemeinschaft im Alltag überhaupt erst möglich machen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Laubengang. Auf einem Grundriss wirkt er zunächst wie ein Erschließungsweg, der die Wohnungen miteinander verbindet. Wenn man selbst dort steht, bekommt man aber ein ganz anderes Gefühl dafür, was so ein Raum leisten kann.
Der Laubengang ist nicht einfach nur der Weg zur eigenen Wohnung. Er kann ein Ort für zufällige Begegnungen sein, für einen kurzen Austausch mit den Nachbarn oder für ein spontanes Gespräch. Genau solche Zwischenräume haben uns beschäftigt: Orte, an denen Gemeinschaft entstehen kann, ohne dass sie geplant oder erzwungen werden muss.
Auch viele kleinere Details des Projekts waren für uns spannend. Wie sind private und gemeinschaftliche Bereiche voneinander getrennt? Wo kann man sich zurückziehen? Wo lädt die Gestaltung dazu ein, anderen zu begegnen? Und welche baulichen Entscheidungen machen einen Unterschied dafür, wie sich ein gemeinschaftliches Haus später tatsächlich anfühlt?

Nicht kopieren, sondern Ideen mitnehmen
Natürlich geht es für uns nicht darum, ein bestehendes Projekt einfach zu übernehmen. Dafür sind die Menschen, Rahmenbedingungen und Vorstellungen viel zu unterschiedlich. Viel wertvoller war es, einmal zu sehen, was andere umgesetzt haben und welche Gedanken dahinterstecken. Manches hat uns sofort angesprochen, anderes hat neue Fragen aufgeworfen. Und genau das ist für unser eigenes Projekt hilfreich.
Denn gemeinschaftliches Wohnen lässt sich nicht nur über die Anzahl gemeinsamer Räume definieren. Es steckt in vielen kleinen Entscheidungen: in Wegen, Übergängen, Treffpunkten, Rückzugsmöglichkeiten und in der Frage, wie viel Nähe und wie viel Privatheit ein Haus ermöglichen soll.

Der Besuch beim Raumteiler hat uns dafür viele konkrete Bilder mitgegeben.

Ein bisschen mehr Bild vom eigenen Zuhause
Am Ende des Tages hatten wir nicht nur viele Eindrücke gesammelt, sondern auch viele Gespräche geführt, gelacht und gemeinsam Zeit verbracht. Und vielleicht ist genau das der schönste Teil solcher Ausflüge. Unser eigenes Haus ist für uns noch nicht fertig – vieles ist noch offen und manches wird sich sicher auch noch verändern. Aber durch solche Besichtigungen wird unsere Vorstellung davon immer konkreter. Aus „Wie könnte das einmal werden?“ wird langsam ein Bild.

Der Ausflug hat uns deshalb nicht nur als Gruppe gutgetan, sondern auch unsere gemeinsame Vision wieder ein Stück lebendiger und detailreicher gemacht. Wir konnten sehen, wie moderne Holzbausysteme in der Praxis funktionieren, und gleichzeitig erleben, wie gemeinschaftliches Wohnen baulich gestaltet werden kann. Beides nehmen wir mit in unser eigenes Projekt.

Ein herzliches Dankeschön an die Holzbaufirma und an den Raumteiler in Erlangen, dass ihr uns eure Türen geöffnet, eure Erfahrungen geteilt und uns diese wertvollen Einblicke ermöglicht habt.

Wir nehmen einiges davon mit – in unsere Gespräche, unsere Pläne und vielleicht irgendwann auch in unser eigenes Haus.

Fotos: Miriam Schauer, Britta Huber